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Pressestimmen:
Frankfurter Neue Presse
26.11.2006
Winterfest mit Kultcharakter

Von Alexander Schneider

Usingen. Usingens altehrwürdige Lehranstalt, die Christian-Wirth-Schule (CWS), steht alle zwei Jahre Kopf. Schule war gestern, jetzt ist Winterfest! Sie öffnet sich dann für all jene, die einmal hier die Schulbank gedrückt haben, als Tor zur Erinnerung an eigenes Bildungsbemühen. Dieses mag im Einzelfall mehr oder auch weniger erquicklich sein, ist aber so lange her, dass man es mit anderen, denen es vielleicht ähnlich ergangen ist, erörtern und teilen mag. Das längst Kultcharakter genießende „Weißt-du-noch-damals-Fest“ wendet sich vor allem an die Ehemaligen, die der Einladung – wie am Samstag geschehen – in aller Regel und für gewöhnlich in Scharen folgen, um sich entspannt in der Menge der Gleichgesinnten zurücklegen zu können. Man genießt mit etwas Abstand die Sport-Schau ebenso wie die Mord-Schau im Theater aus der Feder von Curt Goetz, schaut beim Musikevent in der Bruchbude und in der Blechbude mit der Galeria CWS vorbei: Wer sich solchermaßen optisch, akustisch und leiblich gestärkt hat, begab sich auf die Amüsiermeile.

Kurz vor der Schwelle, selbst auch zu „Ehemaligen“ zu werden, legen sich die 11er, 12er und 13er noch einmal so richtig ins Zeug, überschlagen sich förmlich mit Ideen, verarbeiten ganze Ballen bunten Krepppapiers, zimmern, hämmern, nageln und kleben tagelang. Schön und erinnerungswert soll’s sein, natürlich besser als das letzte und auch das nächste Winterfest. Man strengt sich an, schließlich weiß man, dass es vermutlich das letzte selbst gestaltete Winterfest ist. In zwei Jahren ist man dann selbst der Gast. Die Bemühungen, das backsteinerne Institut in eine lebhafte, multikulturelle Gastromeile zu verwandeln, sind wieder einmal aller Ehren wert und können gut und gern als eine Hommage an die, die vorher da waren, durchgehen. Lehrer stoßen sich regelmäßig den Kopf, weil sie angesichts der temporären Nutzungsänderung ihrer Arbeitsstätte beide Augen zudrücken müssen. Die Feuerwehr achtet darauf, dass es bei aller Dekoration nicht zu bunt zugeht. „Wiedersehen macht Freude“ – dieser auch mit einer Spur von durchaus erlaubtem, ja erwünschten Wehmut über die Endlichkeit der kollektiven Wissensvermittlung verwobene Grundssatz – alle zwei Jahre lebt er völlig neu auf. Ehemalige CWSler, die etwas auf sich und ihre alte Penne halten, müssen sich nicht extra verabreden, sie treffen sich automatisch. Wer sie bei ihrem feiernden Tun beobachtet, der bemerkt, dass viele mit erkennbarer Andacht zuerst einem ganz bestimmten Raum und dort einem bestimmten Platz zustreben und der Ehefrau, den Kindern oder Enkeln mit ein wenig Melancholie verraten: „Hier hab’ ich gesessen!“

Über Teller- und Gläserrand hinweg wird Vergangenheitsbewältigung betrieben, ach was, gelebt! Die Erkenntnis, dass Jahresringe nicht nur bei Bäumen vorkommen, sondern auch auf den Hüften dereinst ranker und schlanker Modellathleten, dass dort, wo mit den Jahren Verstand gereift ist, auch bei den anderen Haare keinen Platz mehr haben, der Spiegel also doch die Wahrheit sagt, all das wird auf verstopften Fluren, in gnädig-schummrigen Kaschemmen und Pubs deutlich. Das trifft auch auf die zweite Abteilung der Ehemaligen zu, denn auch die Lehrer zieht es immer wieder an die Stätte früheren Wirkens zurück. Schließlich will man wissen, was aus den Jungs und Mädels geworden ist. Es spricht für den Geist der Christian-Wirth-Schule, wenn nach mühsamer Identifikation des Gesprächspartners das vertraute „Du“ herausrutscht, der mühsam Identifizierte es geschehen lässt und sogar ein wenig stolz darauf ist.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Taunus Zeitung/Frankfurter Neuen Presse, Tageszeitung für den Hochtaunuskreis, www.taunuszeitung.de und www.fnp.de